Schlusswort zu den Tagen im selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen (Schoesch)

 

Die Tage im selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen sind natürlich noch eine fiktive Geschichte. Selbst die Aussagen der mit Klarnamen genannten Personen wurden ihnen in den Mund gelegt. Sie haben es so nicht gesagt, aber sie hätten es so sagen können.

Trotzdem sind die beschriebenen 14 Tage realistische Erzählungen der Tagesabläufe, wie sie in weit über 500 selbstverwalteten Soziokulturellen Zentren täglich so oder so ähnlich vorkommen. Die Darstellungen der Organisations- und Personalstruktur entspricht den tatsächlichen Strukturen vieler selbstverwalteter Zentren.

So oder so ähnlich werden die Tage im selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen ablaufen, wenn es mit Unterstützung der Bürger und der Politik von der Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen realisiert worden ist.

Durch den erweiterten Kulturbegriff der Soziokultur haben sich basisdemokratische Mitsprache- und Entscheidensstrukturen herausgebildet, die die paritätische Besetzung von Frauen und Männern eines Teams voraussetzen.

Diese Strukturen sind die Grundlagen für den seit über 40 Jahren andauernden kulturellen und kulturpolitischen Erfolg, der von der Berliner Politik bisher nicht zur Kenntnis genommen wird. Das ist um so unverständlicher, wenn man bedenkt, dass Berlin nach Aussage der Politik eine notorisch unterfinanzierte und somit arme Stadt ist. Denn soziokulturelle Zentren in Selbstverwaltung erwirtschaften oft über Zweidrittel ihrer Kosten selber, entgegen der hoch subventionierten staatlichen Hochkultur mit vergleichbaren Zuschauerzahlen. Während es den klassischen Kulturtempeln in Berlin nur mit großem Werbeaufwand, All-Inclusive-Touristen und internationalen Stars mit entsprechenden Gagen gelingt, mehr Publikum zu gewinnen, erreicht die Soziokultur mit neuen Formaten, Orten und aktuellen Themen immer größere und unterschiedlichere Besucherschichten.

Was interessiert eigentlich Menschen mit Migrationshintergrund? An der Frage arbeiten alle Selbstverwalteten Soziokulturelle Zentren seit Jahren und leisten damit einen unschätzbaren Beitrag zur Völkerverständigung, Integration und Förderung des sozialen Miteinanders – ist tägliche Friedensarbeit im besten Sinne.

Trotz der extrem hohen Ausgabe für die Hochkultur nutzen in Berlin nur die Hälfte der Bevölkerung überhaupt ein öffentliches Kulturangebot. Ein erster Schritt wäre, mehr selbstverwaltete Soziokulturelle Zentren in den Bezirken zu fördern, die meist eine große Akzeptanz bei den Bürgern haben und so die Noch-Nicht-NutzerInnen von Kulturangeboten erreichen.

Das stellt natürlich die Frage, welche Kultur bzw. Kulturpolitik wollen wir eigentlich. Sollten die Steuergelder des Kulturetats von Berlin nicht vorrangig in den Bezirken eingesetzt werden? Weg von den zentralen, hoch subventionierten Häusern, hin zu dezentralen, die Urbanität fördernden Kultureinrichtungen in den Bezirken? Welche Förderkriterien gibt es? Unter welchen Bedingungen können freie und selbstverwaltete Soziokulturelle Einrichtungen, Initiativen und Projekte arbeiten?

An diesen Fragen müssen interessierte BürgerInnen beteiligt werden, denn sie bringen Fachwissen und Erfahrung ein. Da PolitikerInnen oft eine generalistische und parteiidiologisch verengte Sicht auf kulturelle Entwicklungen haben, sollten sie die Kenntnisse des Souveräns nutzten, der sie gewählt hat.

Von der Stadtentwicklungsplanung werden die positiven Zusammenhänge von Bezirksentwicklung und Soziokultur unterschätzt, wenn es um Verbesserungen des sozialen Miteinanders und der Lebensqualität der Bewohner geht. In einer alternden Gesellschaft ist die Alterseinsamkeit, zusehends verbunden mit Altersarmut, in den Städten eine nicht zu übersehende Realität. Soziokulturelle Zentren bieten dafür eine barriere- und schwellenfreie Teilhabe an Kulturangeboten und einen Kommunikationsort im Nahbereich an, der ohne Verzehrzwang aufgesucht werden kann. Das beschriebene Konzept sichert darüber hinaus eine langfristige öffentliche Nutzung, schützt das Schoeler-Schlösschen vor Verkauf und Privatisierung und wirkt belebend auf den Einzelhandel im Bezirk.

Mit dieser noch fiktiven Geschichte möchten wir Bürger und Politiker für ein selbstverwaltetes Soziokulturelles Zentrum Schoeler-Schlösschen begeistern, für ein offenes Haus mit alters- und schichtenübergreifenden Kulturangeboten. Dann eröffnen sich auch Wege und Möglichkeiten für die Realisierung und eine nachhaltige Finanzierung.

Mit der Wiederherstellung des Bundesplatzes, dem Rückbau der Bundesallee zu einem Boulevard, der Auenkirche, dem Bockelmann-Haus, der Kleingartenkolonie Bundesallee, der Sportanlage des 1. FC Wilmersdorf 1911, der Zusammenführung der Volkspark-Teilstücke an Bundesallee und Kreuzung Blisse-/Uhlandstraße, der Bücherei am U-Bf. Blissestraße und dem selbstverwalteten Soziokulturellen Schoeler-Schlösschen als Wilmersdorfs kommunikativ-kultureller Mittelpunkt könnte hier ein Stadtraum entstehen, von dem die Bewohner dann mit Stolz sagen:

Mein urbanes Wilmersdorf – MUW !

 

Berlin, 14.09.2015

Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen

Rainer Wittek

  2 Antworten zu “Schlusswort zu den Tagen im selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen (Schoesch)”

  1. einige Begriffe und Erklärungsmöglichkeiten

    Soziokultur
    https://de.wikipedia.org/wiki/Soziokultur

    Soziokulturelles Zentrum
    https://de.wikipedia.org/wiki/Soziokulturelles_Zentrum

    Bundesverband
    http://www.soziokultur.de/bsz/

 Kommentieren

Sie können diese HTML-Phrasen und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(erforderlich)

(erforderlich)

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen finden Sie hier...

Gemäß der EU-Richtlinie 2009/136/EG - die noch immer nicht in deutsches Recht übertragen wurde - sehen wir uns verpflichtet, Sie von der Benutzung von Cookies auf dieser Webseite zu informieren.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surfergebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Betrachten Sie dies als Information gem. § 15 Abs. 3 Telemediengesetz (TMG). Wir werden Ihnen diese Information nach Ablauf von 6 Wochen [oder falls Sie die Cookies auf Ihrem Computer gelöscht haben] erneut als Erinnerung präsentieren.

Bitte haben Sie Verständnis für diese Maßnahme.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Impressum.

Schließen