Montag (2)

 

Montag, Teamtag, das Schoesch ist geschlossen, nur das „Schoeler“ öffnet ab 18:00h.

Geräte und Technik werden gewartet, Möbel repariert, Küchentechnik und Abluftfilter gereinigt, Messer geschärft, aufgeräumt, Vorräte aufgefüllt.

Ab 14:00h sitzen Team und Vorstand zusammen, um eine volle Tagesordnung abzuarbeiten. Der Vorstand des gemeinnützigen Vereins ist gleichzeitig Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH, der das Zentrum betreibt. Die drei Vorstandsmitglieder zwei Frauen, ein Mann, verstehen sich als Kollektiv und legen Wert auf die basisdemokratische Struktur des Vereins. Alle Themen werden im Konsensverfahren unter den Mitgliedern entschieden, auch unter Einbeziehung von Minderheitenmeinungen. So hat sich eine solidarische Diskussionskultur entwickelt, auf die der gewählte Vorstand mit Recht stolz ist.

TOP 1 Finanzen
Da die GmbH als Mini-GmbH gegründet wurde, d.h. das Stammkapital beträgt 1 Euro, muss in einer bestimmten Zeit das Stammkapital aus dem Gewinn hinterlegt werden, bis 25.000 € erreicht sind, erst dann ist es eine „Maxi-GmbH“. Lena führte aus, dass vierteljährlich ca. 3.000 Euro aus dem Gewinn auf das Stammkapitalkonto überwiesen werden können. Der Verein hatte sich zu einer Mini-GmbH entschieden, da zur „Maxi-GmbH“ die Gründungskosten äußerst niedrig sind und 25.000 € nicht bereitgestellt werden konnten.

TOP 2 Gartenfläche
Flo bat den Vorstand, sich für die Wiederherstellung der vorherigen Größe der Gartenfläche einzusetzen, was eine Vergrößerung um 175 m² bedeuten würde und so wieder die Gesamtgröße von 500 m² hergestellt wäre. Sie benötigt die Flächen, um vergessene Gemüse und Kräuter anzubauen, die wegen ihres unterschiedlichen Wuchses für die Massenvermaktung ungeeignet sind. Sie möchte Gemüsegerichte anbieten, die es nur im „Schoeler“ gibt. Sie legte auch eine Pflanzplan vor, auf dem so Namen standen wie Postelein, Meerkohl, Gewürzfenchel, Erdbeermais, chinesische Schlangengurken, Kantenlauch und Pattison, alles Gemüsepflanzen, die der Runde bisher nicht bekannt waren. Aber alle fanden dies eine tolle Idee und der Vorstand sagte zu, die Vergrößerung des Gartenfläche beim Bezirksamt zu beantragen.

TOP 3 Wickelraum
Jasmin beanstandete das Fehlen eines Wickelraumes. Ari schlug vor, eine Ecke der Damentoilette im UG dafür herzurichten. Das wäre nicht wirklich eine guter Idee, äußerte Jasmin verärgert, denn Windeln wechseln sei nicht nur Frauensache! Da die Runde jedoch keinen geeigneten Raum fand, wo man einen geschlechterneutralen Wickelraum einrichten könnte, wird der Vorstand den Hausarchitekten um eine Vorschlag bitten, auch wenn dafür kleinere Umbauten nötig werden.

TOP 4 Reparaturtag
Ari schlug vor, einmal die Woche einen Tausch- und Reparaturtag in Schoesch anzubieten für Geräte aller Art mit und ohne Stecker. Die gute Idee wurde erst einmal auf Halde gelegt, da dafür z.Zt. weder ein geeigneter Raum bereitgestellt werden kann noch die Kosten für das Werkzeug. Flo meldete Bedenken an, wenn dieser Tag im „Schoeler“ stattfinden sollte. Ari will dafür bald einen Vorschlag einbringen.

TOP 5 Hakenkreuzschmierereien
In der vorigen Woche musste Ari Hakenkreuzschmierereien an der Straßenfassade entfernen. In einigen Veranstaltungen ist Jasmin ein ihr bekannter Neonazi mit Anhang aufgefallen. Von der Einschaltung eines Sicherheitsdienstes wolle man noch absehen, befand der Vorstand, jedoch die Zusammenarbeit mit der Polizei intensivieren, um zu bestimmten Zeiten und Veranstaltungen Streifenfahrten mit der Polizei zu vereinbaren.

TOP 6 Küchenhilfe
Flo beantragte, den befristeten Arbeitsvertrag als Küchenhelfer mit Ismael umzuwandeln in einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Koch. Ismael sei ja ein gelernter Koch, der selbständig Gerichte zubereiten kann und sogar die Speisekarte mit seinen Vorschlägen bereichert. Die steigende Gästezahl ist auch sein Verdienst, zumal er mit seinen immer besser werdenden Deutschkenntnissen den Kontakt zu den Gästen sucht.

Da die von Lena vorgetragenen Umsatzzahlen der letzten 6 Monate für das „Schoeler“ sehr positiv ausfielen – hochgerechnet aufs Jahr würde das „Schoeler“ mit über 40% zum Gesamthaushalt beitragen – konnte der Vorstand der Vertragsänderung zustimmen.

Ismael atmete erleichtert auf. Jetzt hofft er auf eine Zukunft in Deutschland und dass sein unbefristetes Bleiberecht nicht in naher Zeit widerrufen wird. Besonders erfreut ist er über die tarifliche Gehaltserhöhung, hat er doch seine gesamten Ersparnisse an die Schlepper verloren. Jetzt möchte er der zurückgebliebenen Familie in Syrien eine bescheidene finanzielle Unterstützten zukommen lassen.

Mit diesem erfreulichen Ergebnis ging die Team/Vorstandssitzung nach drei Stunden zu Ende, jedoch nicht ohne ein Dankeschön des Vorstands/der Gesellschafter an das Team der GmbH und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die mit viel Engagement, Flexibilität und Kreativität ein Soziokulturelles Programm auf die Beine gestellt haben, wie es auch in den Zielen der Arbeit formuliert wurde, die Anlage zu jedem Arbeitsvertrag sind.

Flo hatte im „Schoeler“ noch einen leichten Imbiss für alle vorbereitet. Trotz der anschaulichen Erzählung des Vorstands über die Auseinandersetzung zur Durchsetzung des Zentrums in der Vergangenheit, konnte sich das Team nicht vorstellen, warum es damals so große politische Widerstände gegen das selbstverwaltete Soziokulturelle Zentrum gab, das längst der kommunikative/kulturelle Mittelpunkt von Wilmersdorf ist und sich über den Bezirk hinaus einen guten Namen erworben hat für ein vielfältiges Programmangebot – und das für Junge und Alte aller Gesellschaftsschichten.

Die Presse spricht von einer Erfolgsgeschichte mit Alleinstellungsmerkmal in Berlin und begründet so den großen Zuschauerzuspruch.

Heute ging wieder so ein typischer soziokultureller Tag im selbstverwalteten Kommunikationszentrum Schoesch zu Ende. Morgen wird es eine Premiere geben !

Rainer Wittek

Die fiktive Geschichte wird morgen fortgesetzt

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