Nov 102015
 

Bald ist es wieder soweit. Zeit für Märchen. Die kalte und dunkle Jahreszeit hat schon begonnen. Und das meine ich jetzt nicht nur meteorologisch oder kalendarisch, sondern auch politisch.

Zeit für Märchen. Die bringen Wärme – zwar nicht ins Haus, aber oft in die Herzen. Warum? Weil sie immer gut ausgehen, weil das Gute über das Böse siegt und weil sie die Phantasie anregen.

Stadträtin Dagmar König„Es war einmal eine schwarze Königin, die hatte ein Schoeler-Schlösschen. Das kostet viel Geld, aber die Schatztruhen waren leer. Da gab es Bauern und Mägde aus dem schönen Wilmers-Dorf, die wollten ihr Schloss behalten und zu einem neuen Zentrum machen. Sie wollten es be-nutzen. Sie wollten dabei auch ihre Königin, die Hausherrin, unterstützen, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten, das Schloss zu eröffnen und damit auch ihr Scherflein für den Erhalt und Betrieb der Immobilie beitragen. Aber das will die Königin nicht. Sie umgibt sich mit grünen Ranken, die wohl bald auch das hübsche Schloss in einen wohl hundertjährigen Schlaf versinken lassen werden.“
Zwölf Jahre davon sind schon um…

Soweit der Anfang des Märchens. Aber wie wohl jedes Märchen, will auch dieses uns etwas sagen.

Betreten verboten!Schöne Bescherung, wie da eine Bezirksstadträtin in Charlottenburg-Wilmersdorf, Frau Dagmar König, mit ihren „Kindern“, Bürgern und Unterta­nen – ja sogar mit ihren politischen Mitstreitern und Wegbegleitern – umgeht: Gleich zu Beginn eines aufkeimenden, bürgerinitiierten Prozesses verbie­tet sie den Zugang zu ihrem Schoeler-Schlösschen. nicht nur jenen, die sie in ihrer Arbeit als verantwortliche Bezirksstadträtin unterstützen wollen, sondern gleich auch ihrem eigenen Kulturausschuss und allen an dem Vorgang Interessierten – ja sogar auch gestandenen, erfahrenen Bauchfachleuten.

Sehr lobenswert, dass sie sich um Gesundheit und Wohlgehen ihrer Untertanen sorgt. Aber nun wollen wir die Auen-Kirche doch mal im Wilmers-Dorf (nebenan in der Wilhelmsaue), lassen: Die Bauaufsicht untersteht ihr ja gar nicht. Ich bin auf ihre Reaktion gespannt, wenn einige mündige, erwachsene Berliner, Baufachleute, Mitglieder einer Bürgerinitiative oder Pressevertreter sie von ihrer „Fürsorge- und Aufsichtspflicht“ mit einer Erklärung befreien, dass sie das Gebäude auf eigene Gefahr betreten wollen.
Damit haben die Berliner Stadtverwaltungen in der Zwischenzeit doch hinreichend Erfah­rungen: Überall dort, in Grünanlagen und auf Verbindungswe­gen, wo man auf den von ihnen zu verantwortenden Bereichen der Verkehrssicherungspflicht (meist aus Kostengründen) nicht mehr nachkommen will (oder kann), sprießen Schilder aus dem Boden mit dem Hinweis: „Betreten auf eigene Gefahr“. Und das soll hier, in einem vom Berliner Bürger, vom Steuerzahler finanzierten Gebäude nicht möglich sein? Und da führt dann auch bei gutem Willen tatsächlich kein Weg rein?

Tatsächlich hat Frau König niemanden mehr ins Schoeler-Schlösschen gelassen, seit die Stiftung Denkmalschutz ihre begonnene Sanierung aus Geldmangel abbrechen musste. Selbst den eigenen Kulturausschuss lies sie bei der Bitte um eine Besichtigung abblitzen.

Aber da hat sie wohl zwei unterschiedlich lange Ellen? Es wird mit zweierlei Maß gemessen, denn gleichzeitig taucht im März diesen Jahres ein Bericht in der Tagespresse auf. Der Staatssekretär Tim Renner „begehre“ Einlass. Der wurde ihm natürlich gewährt; er wird sogar ohne Helm und Schutzkleidung in der Tagespresse abgelichtet.

Wen wundert es da, wenn sich Wähler und Berliner Bürger beklagen – wie z.B. erst vor Kurzem ein Mitglied der Wilmersdorfer Bürgerinitiative »Schoeler-Schlösschen« öffentlich im Berliner Tagesspiegel – und „das Vorgehen des Bezirksamts [ihnen] gegenüber“ noch sehr zurückhaltend als „nicht fair“ bezeichnen. „Man dürfe nicht hinein und habe Fotos, die im Ausschuss gezeigt wurden, nicht erhalten. Damit fehle ‚die Grundlage, um seriös zu planen’“ (vgl. Tagesspiegel vom 07.11.2015).

Frau König, hatten Sie das nötig? Da fällt Ihnen doch sicher kein Zacken aus der Krone, wenn Sie die Fotos einfach noch einmal übersenden, einen berittenen Boten auf den Weg schicken oder vielleicht noch besser: Laden Sie einen Vertreter dieser Bürgerinitiative zu sich ein und lassen sich die Übergabe persönlich quittieren. Ich bin sicher, dass sich dazu von denen jemand bereit erklären wird, zu kommen. Und bei dieser Gelegenheit könnte man vielleicht sogar auch mal miteinander reden, statt übereinander.

Vielleicht haben es ja einige noch gar nicht bemerkt: Der Wahlkampf hat längst begonnen. Sehr geschickt wirbt nun Frau König in grünen Gefilden. Mit Blick auf politische Verschiebungen werden Wünsche ausgetauscht, Kompromisse besprochen und Pakete geschnürt nach dem Motto: „Gibst Du mir – geb ich Dir!“. Dieses Pokerspiel hat nun auch das Schoeler-Schlösschen erreicht.

Aber auch die andere Seite „rüstet auf“. Die Bürgerinitiative »Schoeler-Schlösschen« gewinnt Tag für Tag an regionaler wie überregionaler Aufmerksamkeit, namhafte Persönlichkeiten beginnen sich dafür zu interessieren.
Die „Affäre Schoeler-Schlösschen“ entwickelt ein Eigenleben.

Es ist an der Zeit – frei nach Ronald Reagan fordere ich Sie auf:

Come here to this palace! Mrs. König, open this gate!
Mrs. König, tear down this wall!

jene Mauer zwischen Ihnen resp. dem Bezirksamt und den Bürgern in der Wilhelmsaue.

Man traut sich ja heute schon gar nicht mehr, ein Märchen mit einem seit früher Kindheit bekannten Spruch
zu beenden, ohne Gefahr zu laufen, in eine rechte Ecke oder gar vor die „Klassentür“ gestellt zu werden.
Dennoch will ich es tun, denn ich hoffe, dass alles, was ich hier berichtete nur ein schlechtes Märchen
war und dass dieses Märchen – vielleicht sogar noch vor der Wahl, aber – auf jeden Fall gut ausgeht:

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…“

Joachim Neu

_________________________________
Bildnachweis:
Bild 1: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
Bild 2: Creative Commons CC0
Bild 3 & 4: Cay Dobberke (Tagesspiegel)

  Eine Antwort zu “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…”

  1. Nun schafft es das Schoeler-Schlösschen sogar in die Topnews: Außen hui-Innen pfui.

    Topnews in der BZ
    zum Beitrag in der Zeitung

 Kommentieren

Sie können diese HTML-Phrasen und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(erforderlich)

(erforderlich)

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen finden Sie hier...

Gemäß der EU-Richtlinie 2009/136/EG - die noch immer nicht in deutsches Recht übertragen wurde - sehen wir uns verpflichtet, Sie von der Benutzung von Cookies auf dieser Webseite zu informieren.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surfergebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Betrachten Sie dies als Information gem. § 15 Abs. 3 Telemediengesetz (TMG). Wir werden Ihnen diese Information nach Ablauf von 6 Wochen [oder falls Sie die Cookies auf Ihrem Computer gelöscht haben] erneut als Erinnerung präsentieren.

Bitte haben Sie Verständnis für diese Maßnahme.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Impressum.

Schließen