Feb 022017
 

10 Jahre Dilettanten-Kulturpolitik sollen in Berlin zu Ende gehen. Wurde Kulturpolitik als Orchideenthema abgetan, das der Bürgermeister so neben her von einem Staatssekretär erledigen ließ, so soll sich das jetzt ändern mit der Wahl von Klaus Lederer von den Linken zum Kultursenator. Berlin pumpte viel Steuergeld in die repräsentativen „Leuchttürme“ und plante vergeblich Kunsthallen, Landesbibliotheken und Festivals oder gibt mal eben fast eine halbe Milliarde für die Sanierung einer Oper aus. Der freien Kulturszene mit ihren über 10.000 Künstler*innen blieben da nur Brosamen. Wegen zu geringer Haushaltsmittel sind die bezirklichen Kulturverwaltungen bemüht, den unzulänglichen Bestand lediglich zu erhalten.
Exemplarisch für diese verfehlte Politik ist der Umgang mit der BI Schoeler Schlösschen, die sich seit anderthalb Jahren mit über 1.300 Bürger*innen dafür engagiert, diese Situation in Wilmersdorf zu beenden und „Kultur für alle“ in einem selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen zu realisieren. Das stieß auf erheblichen Widerstand der Kulturverwaltung und der Grünen, nach dem Motto, wir sind nur offen für Bürgerinitiativen, die uns nahe stehen. Der unzeitgemäße Umgang mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wie mit Querulanten muss umgehend beendet werden, sonst wird die Zustimmung zu den regierenden Parteien weiter abnehmen.

Schoeler-Schlösschen, Foto BI

Lederers starke Sprüche

Aber jetzt geht es voran. Klaus Lederer hat auch schon ein paar starke Sprüche rausgehauen: „Wir wollen die Stadt den Menschen zurückgeben, die hier wohnen. Dazu gehört auch eine intensive Bürgerbeteiligung! Wir wollen die Bürger als Partner begreifen!” Wenn die erstarkte Fraktion der Linken in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf dies als Grundlage für Ihre Tolerierung beherzigt, lässt sich auch die Zählgemeinschaft Rot Grün überzeugen. Die Verdoppelung der Mittel der Bezirkskulturfonds, die bezirkliche kulturelle Infrastruktur verbessern, Investitionen in Kulturhäuser der freien Szene und einen selbstverwalteten (!) Kulturfond u.v.m. Versprechen aus dem Wahlprogramm der Linken. Maßnahmen, die von unserer BI seit Langem gefordert werden.

Vielfalt statt Leitkultur
Seit Gründung der ersten selbstverwalteten Soziokulturellen Zentren in den 70er Jahren, sind Stadtentwicklung, Austausch mit Menschen anderer Kulturen und Inklusion wesentlicher Bestandteil ihres Kulturprogramms. Mit der interkulturellen Öffnung, der nationalen und internationalen Vernetzung sind sie vielen anderen Kulturinstitutionen einen deutlichen Schritt voraus. Über 500 selbstverwaltete Soziokulturelle Zentren in Deutschland sind einem erweiterten Kulturbegriff verpflichtet. Prinzip „Vielfalt“ statt normierter Deutschtum-„Leitkultur.“ Integration findet in den Bezirken statt, wo Geflüchtete und Vertriebene in das nachbarschaftliche Leben eingebunden werden. Kulturelle Integration beugt der drohenden sozialen Spaltung der Gesellschaft vor. Deshalb ist es vorrangig, dass Klaus Lederer die Kulturinfrastruktur der Bezirke verbessert. Die große gesellschaftliche
Aufgabe „Integration“ muss gelingen, wenn wir die freiheitliche Demokratie und humanistischen Werte erhalten und weiterentwickeln wollen.

Kulturelle Stadtentwicklung

Aber nicht nur in der Kulturpolitik muss ein „Systemwechsel“ vollzogen werden. Für fortschrittliche Stadtplaner in den Metropolen ist Kultur längst integraler Bestandteil der Stadtentwicklung. Auch die Berliner Stadtentwicklungspolitik muss diesen Paradigmenwechsel vollziehen, hin zu einer kulturellen Stadtentwicklung. Soziokultur ist dabei ein wichtiger Standortfaktor und Grundlage für die Lebensqualität eines Bezirks. Es ist zu hoffen, dass Katrin Lompscher, die neue Stadtentwicklungs-Senatorin der Linken, in Abstimmung mit Klaus Lederer diesen integralen Ansatz umsetzt. Hoffen können auch die engagierten Bürger*innen von Wilmersdorf, da Katrin Lompscher zu den 1.300 Unterstützerinnen unserer BI gehört. Das selbstverwaltete Kulturzentrum Schoeler-Schlösschen will Raum für soziales Leben, für Kommunikation und kulturellen Austausch schaffen. Als kulturell/kommunikativer Mittelpunkt wäre es eine nachhaltige Investition in die urbane Zukunft Wilmersdorfs, so wie es von den täglich mehr werdenden Unterstützer*innen unserer BI gewollt wird.

Rainer Wittek hat die Bundesvereinigung soziokultureller Zentren und das ZAKK-ein solches Zentrum-in Düsseldorf mit gegründet. Er war Herausgeber und Redakteur alternativer Stadtzeitungen in Düsseldorf und dort Mitglied im Kulturausschuss

Wie die Tage in einem selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen ablaufen könnten, wird unter „Schoesch-Tage“ auf  www.schoelerschloesschen. de erzählt.

Mit freundlicher Genehmigung der Partei die Linken. Artikel aus ihrer Stadtteilzeitung Bezirksbühne, Ausgabe Februar 2017.

Rainer Wittek

Sprecher der BI Schoeler-Schlösschen

 

 

 

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