Aug 262015
 

Die Berichte über die Tage im selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen sind natürlich noch eine fiktive Geschichte. Selbst die Aussagen der mit Klarnamen genannten Personen wurde ihnen in den Mund gelegt. Sie haben es so nicht gesagt, aber hätten es so sagen können.
Trotzdem sind die insgesamt 14 Berichte realistische Erzählungen der Tagesabläufe, wie sie in weit über 500 selbstverwalteten Soziokulturellen Zentren täglich so oder ähnlich vorkommen. Die Darstellungen der Organisations- und Personalstruktur entspricht den tatsächlichen Strukturen vieler selbstverwalteter Zentren.
So oder ähnlich werden die Tage in selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum Schoeler-Schlösschen ablaufen, wenn es mit Unterstützung der Bürger und der Politik von der BI Schoeler-Schlösschen realisiert worden ist.

 

Tristan, 9 Jahre, kommt heute sehr früh ins ,,Schoeler“, weil er sich mit seinem Freund Till verabredet hat. Beide teilen die Vorliebe für den Kakao, den – davon sind sie überzeugt – Flo nur für sie so besonders zubereitet. So nach und nach trudelten auch die anderen Schüler ein, um sich ihr Frühstück zusammenzustellen, dessen Zutaten die Elterninitiative unter dem Gesichtspunkt „bio, gesund, regional und reichhaltig“ ausgesucht hatten. 18 Mädchen und Jungs waren es heute, die vor der Schule gerne öfter gemeinsam im ,,Schoeler“ frühstücken würden, was jedoch bisher an den begrenzten zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten der Elterninitiative und an freien Terminen im ,,Schoeler“ scheiterte. Bis auf weiteres bleibt es bei wöchentlich mittwochs.

Heute hat Greenpeace für den ganzen Tag bis Mitternacht das gesamte Dachgeschoss gemietet (Tanz- und Bewegungsraum, Künstlergarderobe, Foyer/Gruppenraum, Toilettenanlagen). Unter dem Motto ,,Greenpeace Berlin stellt sich vor“ möchte die NGO mit Dia- und Filmvorträgen über Prinzipien, Ziele, Erfolge von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen informieren. Mit der Raumnutzung wurde auch das Cateringangebot des ,,Schoeler“ gebucht. An einer mobilen Bar im Foyer werden für die Besucher kostenfrei Getränke und Fingerfood von den Mitarbeitern des ,,Schoeler“ gereicht. Eintritt frei.

Erst war es rein zufällig, dass man zur gleichen Zeit am gleichen Ort war, nämlich im CafeRestaurant ,,Schoeler“. Jahrelange Nachbarn lernten sich kennen und stellten schnell Gemeinsamkeiten fest. Jetzt traf man sich mehr oder weniger verabredet im ,,Schoeler“, um aktuelle Kiezthemen zu diskutieren. Dabei brannte den meisten das Thema Verkehr auf der Wilhelmsaue auf den Nägeln, die von vielen Autofahrern als Abkürzungsstrecke von Blisse-/Uhlandstraße zur Bundesallee und umgekehrt genutzt wird. Obwohl 30-km-Zone, brettern viele Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit durch die kleine Wohnstraße. ,,Das muss sich ändern“, meinten sie unisono.

So wurde aus der Zufallsbekanntschaft die Nachbarschafts-BI-Wilhelmsaue, die mit 15 Aktivisten gegründet wurde. Heute tagt die BI zum ersten Mal. Jasmin hat Ihnen bis auf weiteres den kleinen Gruppenraum mit dem runden Tisch im OG reserviert. Die BI fordert Politik und Verwaltung auf, dass die Wilhelmsaue zur Gemeinschaftsstraße ,,shared space“ umgebaut und die Abkürzungsraserei beendet wird, der öffentliche Raum als Kommunikations- und Spielfläche umgebaut wird und Fußgänger und Radfahrer Vorrang erhalten. Sie haben auch schon konkrete Konzepte ausgearbeitet und die Machbarkeit mit Zeichnungen belegt. Eine Zwischenlösung wäre der Ausbau eines ersten Abschnitts zwischen Melitzstraße und Gerdauer Straße. Sie empfehlen den Bewohner des Bezirks, bei der nächsten Wahl dem Kandidaten ihre Stimme zu geben, der sich für diesen anwohnergerechten Umbau der Wilhelmsaue einsetzt.

Um 20.00 beginnt im EG-Studio eine Comedyshow Berliner Nachwuchscomedians mit dem Titel ,, Frischfleischcomedy“ – Eintritt 10 Euro.

Kurz vor Mitternacht fanden sich die Comedians und die Greenpeacer im ,,Schoeler“ ein. Lena und Jasmin nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass im Lauf des Tages weit über hundert Besucher sich bei Greenpeace einfanden. Einige äußerten ernsthaftes Interesse, demnächst bei der NGO ehrenamtlich mitzuarbeiten. Die Comedians waren noch ganz aufgedreht, sind sie doch zum ersten mal vor Publikum aufgetreten. Leider kamen nur 25 Besucher, das wohl dem Championsleaguespiel im Fernsehen geschuldet war. Aber die Zuschauer waren begeistert von der Performance und dem beißenden Spott der Berliner Nachwuchscomedians.

Ari schlug deshalb vor, auch mal ein wichtiges Fußballspiel zu übertragen, zumal das von vielen Besuchern nachgefragt wird. Aber nicht im ,,Schoeler“, protestierte Flo. Aber vielleicht oben im Saal im DG. Rudelgucken im Schoesch, warum nicht? Das Thema steht schon auf der Tagesordnung der nächsten Teamsitzung am Montag.

Wieder war ein Mittwoch wie dieser im selbstverwalteten Soziokulturellen Zentrum zu Ende. Auf dem Nachhauseweg dachte Lena über Aris Vorschlag mit dem Public Viewing nach. Man könnte das kollektive Fernsehen auch mit einer Wahlparty verbinden, denn die nächsten Wahlen finden im nächsten Jahr statt.

Rainer Wittek

Die fiktive Geschichte wird morgen fortgesetzt

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