Okt 012015
 

Das Schoelerschlößchen wird manchmal gern als „Juwel“ bezeichnet. Nur schade, daß es dennoch zu seinem 250. Geburtstag keine offizielle Ehrung erhielt. Wir möchten dies mit der folgenden Artikelserie nachzuholen versuchen.

Zur Zeit seines Baus vor zweieinhalb Jahrhunderten im Jahr 1765

Ist das Schoelerschlößchen heutzutage mit seinen 250 Jahren auch bei weitem das älteste Wohnhaus in Wilmersdorf, so bestand doch zum Zeitpunkt seines Baus im Jahr 1765 die Straße, an der es liegt, die Wilhelmsaue – die einstige Dorfstraße von Wilmersdorf –, schon mehr als doppelt so lange: über 500 Jahre. Wilmersdorf wurde 1293 erstmals urkundlich erwähnt, aber vermutlich bald nach 1220 kamen im Rahmen der Ostsiedlung durch die askanischen Markgrafen schon die ersten deutschsprachigen Siedler an diese Stelle, an der es wahrscheinlich keine slawische Vorgängersiedlung gab.

Das Dorf wurde parallel zum nördlichen Rand eines in West-Ost-Richtung (vom Hubertussee bis zum Rudolf-Wilde-Park am Rathaus Schöneberg) verlaufenden Nebenarms der eiszeitlichen Grunewaldrinne angelegt. Damals befand sich auf der Höhe des Dorfes ein See, der nach 1900 zunehmend verlandete und gegen 1920 endgültig zugeschüttet wurde. Letzte Spuren der Eiszeit sind hier und im weiteren Verlauf des Volksparks bei jedem starkem Regen die riesigen Pfützen auf den Liegewiesen.

Bild 1: See um 1900 (das Schoelerschlößchen befindet sich rechts außerhalb des Bildes)

Zur Zeit des Baus des Schoelerschlößchens 1765 (und auch noch 100 Jahre später) bestand Wilmersdorf im wesentlichen nur aus der Dorfstraße. Diese Straße (1) endete im Osten am Schoelerschlößchen (2). Schon zu erkennen sind auf der Karte von 1772 Blissestraße (3), Berliner Straße (4) und Mehlitzstraße (5).

Bild 2: Kartenausschnitt 1772    

 

Das Dorf war 1765 und noch lange danach weiträumig umgeben von Heide, Bruch, Wiesenland und dem See, und so war es ein weiter Weg nach Charlottenburg, Schöneberg oder Berlin, wie diese Karte von 1842 zeigt.

Bild 3: Karte von 1842
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Die Bauern betrieben Landwirtschaft, vor allem Schafzucht, und Fischfang. Von dieser bäuerlichen Zeit zeugt noch die Straßenführung zwischen Blisse- und Mehlitzstraße mit dem breiten Mittelstreifen, dem ehemaligen Dorfanger, auf dem es bis in die 1870er Jahre Gemeinschaftseinrichtungen und einen Dorfteich gab.

Bild 4: Lageplan 1856 (am östlichen Ende der Dorfstraße das weiträumige
Grundstück mit dem Schoelerschlößchen, damals im Besitz eines Rittmeisters)

An diesem Ort, einem kleinen Dorf weitab von Berlin, entstand also 1765 einer der Sommersitze, wie sie unter wohlhabenden Berlinern seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Mode gekommen waren – das später so genannte Schoelerschlößchen. Und auch wenn zwei der Karten 80 bis 90 Jahre jünger sind, geben sie doch im großen und ganzen einen zutreffenden Eindruck von Wilmersdorf und der Wilhelmsaue von vor 250 Jahren.

M. Roeder

Bildquellen
Bild 1: Globus Verlag/Wikipedia
Bild 2: nach dem Revue Plan vor dem Halleschen Thor, 1772 (Landesarchiv Berlin Acc. 767/3)
Bild 3: Zentral- und Landesbibliothek Berlin/Wikipedia
Bild 4: mit freundlicher Genehmigung des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf

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