Jun 262015
 

Die ersten 238 Jahre (1765-2003)

1752 wurde auch in der Wilmersdorfer Dorfstraße (heute Wilhelmsaue) auf Anordnung von König Friedrich II. der kurzlebige Versuch gemacht, auf einer seit dem 30jährigen Krieg wüsten Hofstelle (Wilhelmsaue 126) eine Maulbeerplantage zur Seidenraupenzucht anzulegen, um den teuren Import aus Frankreich zu vermeiden. Nach wenigen Jahren jedoch wurde die Tätigkeit wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt und das ebenerdige Lehm-Fachwerkhaus verkauft. An seiner Stelle entstand 1765 ein Sommersitz , wie er unter wohlhabenden Berlinern seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Mode gekommen war (siehe Foto von 1906). Nach vielen anderen Besitzern erwarb 1893 der Augenarzt Prof. Heinrich Schoeler das beträchtliche Grundstück, das sich bis hinunter zum damaligen Wilmersdorfer See (Volkspark) erstreckte und außerdem nach Osten (Richtung Bundesallee). Seitdem heißt das Gebäude Schoelerschlößchen.

Die im Fluchtlinienplan von 1891 vorgesehene und wenig später durchgeführte Verlängerung der Wilhelmsaue über den östlichen Teil des Schoelerschen Anwesens hinweg zur damaligen Kaiserallee (siehe
Stadtplan um 1893) war der erste Schritt einer Entwicklung, die nach dem Tode von Schoeler (1918) das Haus in der Inflationszeit zum Spekulationsobjekt machte und beinah zu seinem Abriß geführt hätte. 1929 übernahm der Bezirk Wilmersdorf das Haus selbst und den dahinter liegende kleinen Park mit dem alten Baumbestand – den letzten Rest des einstigen Grundstücks, jetzt Schoelerpark genannt.

Das Schoelerschlößchen wurde dem Jugendamt übergeben. Die Winterhilfe, eine Heimatschau und seit 1935 die HJ (die 1936 das Gebäude um ein zweites Obergeschoß aufstockte – vgl. Foto aus jener Zeit) nutzen in den Folgejahren das Gebäude. 1946 zog hier eine Kindertagesstätte ein, für deren Zweck das Haus von Lage und Garten her sehr gut geeignet war.

Allerdings hatte das Bezirksamt nie Geld übrig, um die Kriegsschäden am Dach (Gemälde von Carl Timmer, Schoelerschlößchen, 2006) zu beheben, ein zweites Treppenhaus als Fluchtweg einzubauen oder auch nur das Gebäude gut in Schuß zu halten.

Daher kam ein kleiner Brand in einer Küche im Februar 2003 dem Bezirksamt sehr zupaß: anstatt die beliebte Kita endlich zu sanieren, setzte es stattdessen die Kinder raus, warf das Mobiliar aus dem Fenster, machte viel Lärm um „das älteste Wohnhaus von Wilmersdorf“ und suchte einen Käufer – allerdings vergebens. Damit begann die 12jährige Odyssee des Schoelerschlößchens auf der Suche nach einem neuen Zweck.

M. Roeder

  Eine Antwort zu “Das Schoelerschlößchen – ältestes Wohnhaus in Wilmersdorf
(Teil 1)”

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