Okt 292015
 

Anfang Juni 2015 lehnte es die Lottostiftung endgültig ab, dem Bezirksamt 2,66 Mio. € für den Innenausbau (ohne Ausbau des Dachgeschosses!) des Schoelerschlößchens zu geben. Schon einen Monat vorher hatte die zuständige Stadträtin (CDU) eingeräumt, bei einem möglichen Scheitern ihres Antrags (und damit ihres Konzepts) keinen Plan B zu haben. Das gab der SPD-Fraktion die Chance, am 18.6. in der BVV den Antrag „Plan B für das Schoelerschlösschen“ einzubringen (DS 1291/4):

Das Bezirksamt wird aufgefordert, nach dem Scheitern des vorgelegten Konzepts zur Sanierung und Nutzung des Schoelerschlösschens ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das mit der bisherigen Beschlusslage der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf konform ist.

Plan A scheitert
Plan A der Stadträtin war ein Konglomerat von 1. Sozialstation, 2. Ersatz für das beseitigte Rathaus Wilmersdorf und 3. Kultur. Praktisch hätte das in etwa so ausgesehen, daß täglich zwischen 10 und 18 Uhr im Großteil des Hauses Senioren beraten und Demenzkranke betreut worden wären, und ab 18 Uhr – nachdem sie nach Hause gegangen und somit „Kollisionen mit der kulturellen Nutzung nicht zu erwarten“1 gewesen wären – Veranstaltungen hätten stattfinden können (organisiert von einer Halbtagskraft des Bezirksamtes). Außerdem sollten ein durch die Rathausbeseitigung entfallener barrierefreier Trausaal und der nunmehr heimatlose Heimatverein Wilmersdorf mit Räumen bedacht werden.
Es ist gut nachvollziehbar, daß die Lottostiftung nicht bereit war, den ungewöhnlich hohen Betrag dafür zur Verfügung zu stellen, denn erstens gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft (Auen-Gemeinde und Werner-Bockelmann-Haus) bereits entsprechende soziale Einrichtungen, und zweitens ist die Bereitstellung eines Trausaals eine verbindliche kommunale Aufgabe, die gar nicht gefördert werden kann (auch nicht, wenn man ihn zum „Multifunktionsraum“ erklärt).

Plan EG Schölerschloesschen

Entwurf des Bezirksamtes für das Erdgeschoß

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Okt 062015
 

150 Jahre später ist das Dorf eine Großstadt, dem Schoelerschlößchen droht der Abriß

Bild 1: Ein Hinweis auf den Milchverkauf, der bis in die 1960er Jahre aus einem Stall im Hof von Wilhelmsaue 11 stattfand.
 
 
Zu der Zeit, als das Schoelerschlößchen (das natürlich noch lange nicht so genannt wurde) um die 100 Jahre alt war, machte Wilmersdorf, das fast nur aus der Wilhelmsaue bestand (die aber noch nicht so hieß), die allerersten Schritte hin zur zukünftigen Großstadt. Wilmersdorf war nämlich in Berlin bekannt für seine Schafsmilch, und so kamen Scharen von Ausflüglern, um sie vor Ort zu trinken.

 
 

        Bild 1 Ein Hinweis auf den Milchverkauf, der bis in die 1960er Jahre
        aus einem Stall im Hof von Wilhelmsaue 11 stattfand.

Als weitere Attraktion traten ab etwa 1880 verschiedene Badeanstalten hinzu, als erste das Seebad Wilmersdorf von Otto Schramm, das – zusammen mit einem Park, in dem ein großes Sommer-Restaurant, ein Musikpavillon, Kegelbahnen und Unterständen für die Kutschpferde lagen – die gesamte Südseite des Sees bis fast hin zur Bundesallee (damals Kaiserallee) einnahm.
Ein weiteres großes Ausflugslokal war der
Victoria-Garten (Ansichtskarte von 1903). Er war 1899 auf dem Gelände des ehemaligen Ritterguts angelegt worden (vgl. Bild 4 in Teil I), verfügte über einen großen Tanzsaal mit Bühne für Theater- und Konzertaufführungen und bot Kahnfahrten auf dem See an. (Über das Grundstück führt seit 1965 die Schnellstraßenverlängerung der Uhlandstraße hin zur Mecklenburgischen Straße.) Weiterlesen »

Okt 012015
 

Das Schoelerschlößchen wird manchmal gern als „Juwel“ bezeichnet. Nur schade, daß es dennoch zu seinem 250. Geburtstag keine offizielle Ehrung erhielt. Wir möchten dies mit der folgenden Artikelserie nachzuholen versuchen.

Zur Zeit seines Baus vor zweieinhalb Jahrhunderten im Jahr 1765

Ist das Schoelerschlößchen heutzutage mit seinen 250 Jahren auch bei weitem das älteste Wohnhaus in Wilmersdorf, so bestand doch zum Zeitpunkt seines Baus im Jahr 1765 die Straße, an der es liegt, die Wilhelmsaue – die einstige Dorfstraße von Wilmersdorf –, schon mehr als doppelt so lange: über 500 Jahre. Wilmersdorf wurde 1293 erstmals urkundlich erwähnt, aber vermutlich bald nach 1220 kamen im Rahmen der Ostsiedlung durch die askanischen Markgrafen schon die ersten deutschsprachigen Siedler an diese Stelle, an der es wahrscheinlich keine slawische Vorgängersiedlung gab.

Das Dorf wurde parallel zum nördlichen Rand eines in West-Ost-Richtung (vom Hubertussee bis zum Rudolf-Wilde-Park am Rathaus Schöneberg) verlaufenden Nebenarms der eiszeitlichen Grunewaldrinne angelegt. Damals befand sich auf der Höhe des Dorfes ein See, der nach 1900 zunehmend verlandete und gegen 1920 endgültig zugeschüttet wurde. Letzte Spuren der Eiszeit sind hier und im weiteren Verlauf des Volksparks bei jedem starkem Regen die riesigen Pfützen auf den Liegewiesen.

Bild 1: See um 1900 (das Schoelerschlößchen befindet sich rechts außerhalb des Bildes)

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